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Essen ist in Thailand in der Regel ein gesellschaftliches Ereignis. Man genießt eine etwa der Zahl der Gäste angemessene Anzahl an Speisen. Europäer sehen sich vor dem Genuss oft mit Hindernissen konfrontiert: Wie viel nehme ich von den Speisen auf meinen Teller? Zu welchem Gericht passen die Saucen? Wo sind die Stäbchen? Viel kann man eigentlich nicht falsch machen – es ist schwierig, sich zu blamieren oder jemanden zu brüskieren. Noch dazu wird dem Gast auch in Thailand großzügig verziehen. Ein paar einfache Regeln sollten dennoch beachtet werden. Die Kenntnis der Etikette lässt unbeschwert genießen und wird auch von ihren Tischnachbarn geschätzt.

Vom richtigen Werkzeug
Jahrhunderte lang aßen die Siamesen mit den Händen. Dies änderte sich erst allmählich, als der europäische Einfluss am königlichen Hof während der Regentschaft von Rama IV (König Mongkut, 1851-1868) zunahm. Das Messer erwies sich jedoch als nicht besonders geeignet für den Verzehr des Hauptnahrungsmittels Reis, weswegen es am Hof durch den Löffel ersetzt wurde. Der neue Stil des Palasts hatte große Vorbildwirkung und verbreitete sich rasch über Bangkok und in die Provinzen.
Zwar werden im Norden, Nordosten und Süden des Landes lokale Spezialitäten oft noch mit den Händen gegessen, für die traditionelle Thai Küche werden aber durchwegs Löffel in der rechten und Gabel in der linken Hand benutzt. Das Messer findet keinen Platz auf dem Tisch, da bereits alle Zutaten mundgerecht zerteilt sind und es zudem als Waffe gilt. Der Löffel dient dazu, Essen auf den eigenen Teller zu schaufeln und mit Reis vermischt in den Mund zu führen. Kommt ein Gericht mit Löffel, so wird mit diesem das Essen auf den Teller geholt. Mit der Gabel in der linken Hand schiebt man das Essen auf den Löffel. Gegessen wird also direkt vom eigenen Teller - Löffel um Löffel wird von Suppe, Curry oder Salat auf den eigenen Teller geholt und mit etwas Reis vermischt gegessen. Das Essen wird dabei nicht auf dem eigenen Teller angehäuft und schon gar nicht mit dem Reis durchgemischt. Der Reis bleibt immer sauber. Egal, ob er in separaten kleinen Schüsseln serviert wird, oder einfach auf den Teller kommt. Was auf den eigenen Teller kommt, sollte also auch verzehrt werden. Als unhöflich gilt, sich das Essen auf dem Teller anzuhäufen und dann übrig zu lassen. Denn ein Tischnachbar hätte vielleicht noch etwas davon haben wollen. In manchen Restaurants kommen die Speisen mit einem Servierlöffel. Nutzen Sie diesen dann auch dafür, das Essen auf den Teller zu bringen.
Wer den letzten Rest eines Gerichts erwischt, darf sich glücklich schätzen: denn im abergläubischen Thailand erhöht dies die Chancen, einen gut aussehenden Partner/Partnerin zu finden.
Mythos Stäbchen (takiab ตะเกียบ)
Thailändischer Jasminreis eignet sich im Gegensatz zu chinesischen Sorten relativ schlecht für Stäbchen. Stäbchen kommen in Thailand daher nur selten zum Einsatz. Im Grunde werden sie nur für chinesisches Essen benutzt. Da auch die sehr beliebten Nudelsuppen chinesischen Ursprungs sind, werden sie mit den Stäbchen in der rechten und einem Löffel in der linken Hand verzehrt. Rufen Sie nicht sofort nach der Bedienung, wenn die Suppe ohne Besteck geliefert wird. Auf ihrem Tisch befindet sich eine längliche Box aus Metall oder Holz, in der sich saubere Stäbchen und Löffel befinden. Im Zuge der Bestellung müssen auch die Nudeln ausgewählt werden. Zur Auswahl stehen breite (sen yai เส้นใหญ่), dünne (sen lek เส้นเล็ก) und feine (sen mi เส้นหมี่) Reisnudeln. Gut sortierte Nudelküchen führen auch runde Eiernudeln (bami บะหมี่). Die Suppe darf mit den auf dem Tisch befindlichen Gewürzen ohne Rücksicht auf den Koch hemmungslos nachgewürzt werden. Mit gemahlenen Chili, Essig, Fischsauce, Zucker und sogar Erdnüssen mixt jeder Thai seinen persönlichen Favoriten. Das Resultat ist oft sehr scharf und sauer.
Reis essen
Reis essen ist in Thailand derart von Bedeutung, dass der Begriff sogar die Bezeichnung für jedes unspezifische Essen ist: gin khao (ugs.) กินข้าว / than khao ทานข้าว bedeutet schlicht essen. Es gibt ihn gekocht und gedämpft, gebraten und gegrillt. Aus Reis werden Mehl, Nudeln und Süßspeisen gemacht. Er füllt Suppen wie Fische. Das alltägliche Grundnahrungsmittel ist Jasminreis (khao hom mali ข้าวหอมมะลิ, wörtl.: nach Jasmin duftender Reis). Der duftende Langkornreis wird nach Europa in Säcken unterschiedlicher Größen exportiert und in Asia Shops vertrieben. Er ist häufig von besserer Qualität als Reis vom Supermarkt und jedenfalls günstiger. Im Norden und Nordosten Thailands wird traditionell auch Klebereis angebaut und verzehrt. Seine Körner sind kürzer und enthalten viel Stärke. Klebereis wird deshalb nicht gekocht sondern in einem speziellen Bastkorb über Wasser gedämpft, nachdem er mindestens 3 Stunden, besser aber eine Nacht lang in Wasser eingeweicht wurde. Nach dem Dämpfen kommt er in gewobene Körbe, aus welchen man mit der rechten Hand mundgerechte Portionen entnimmt, diese kurz knetet und mit etwas Essen oder Sauce zu sich nimmt. Wem dies nicht zusagt, der kann auch mit Löffel und Gabel zu Werke gehen. Einfacher und schneller isst sich Klebereis allerdings mit den Händen.
Umgangssprachlich nennt man gekochten Jasminreis elegant khao suay ข้าวสวย – „schöner Reis“ oder einfach khao plao ข้าวเปล่า – blanker Reis. Die unter Backpackern beliebte und ebenso geschäftstüchtige Khao San Road (tanon khao saan ถนนข้าวสาร) im Herzen Bangkoks ist nach rohem Reis benannt.
Ahaan dschan diau อาหารจานเดียว
Der Begriff bedeutet in etwa „Ein-Teller-Essen“. Damit sind Gerichte gemeint, die nicht mit anderen Personen geteilt werden sondern für den Verzehr durch eine Person bestimmt sind. Also gebratener und gekochter Reis mit Fleisch, Fisch und Gemüse oder Nudeln sowie einige Suppen. Diese Gerichte werden von routinierten Köchen in Garküchen in Minutenschnelle zubereitet. Selbst in der hektischen Phase der Mittagspausen wartet der Gast selten länger als 15 Minuten auf seine frisch zubereitete Bestellung.
Im Restaurant
Die Bestellung
Wenn Sie ein Restaurant betreten, werden Sie vom Personal zu einem Tisch geführt. Danach folgt meist unmittelbar die Aushändigung der Speisekarte. Da in manchen Lokalen die Speisekarte nur in Thai aufliegt, kann für Touristen bereits die Bestellung zu einem kleinen Abenteuer werden. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken und vom eventuell hektisch-nervösen Treiben und Gekicher des Personals nicht beeindrucken, sondern inspizieren Sie beifällig die Bestellung der Nachbartische. Dem Personal sollte nicht übermäßig laut gerufen werden oder mit ausholenden Bewegungen gewunken – dies gilt, übrigens auch beim Anhalten eines Taxis, als rüdes Verhalten. Suchen Sie Blickkontakt mit dem Personal und winken Sie mit einer Hand leicht auf und ab. Diesem Hinweis können Sie durchaus akustisch Unterstützung geben, die jedoch nicht alles andere in den Schatten stellen sollte. Üblicherweise werden zuerst die Speisen und danach die Getränke notiert. Wollen Sie die Speisekarte bei einem kühlen Getränk studieren, so weisen Sie das Personal darauf hin. Ist ihre Order getätigt, wird sie nach einem unergründlichen System in der Küche abgearbeitet. Zu Zeitspanne und Reihenfolge der Ausfertigung kann an dieser Stelle daher keine schlüssige Angabe gemacht werden. Dies ist in der thailändischen Küche allerdings auch nicht essentiell, da viele Speisen nicht kochend heiß genossen werden, die Suppe nicht als Vorspeise sondern als Hauptgang gilt und einige Speisen mit kleinen Wachskerzen warm gehalten werden. Wenn Sie mit thailändischen Freunden unterwegs sind, nutzen Sie die Möglichkeit und beobachten Sie die Abläufe. Die Auswahl der Speisen ist ein Prozess der Entscheidungsfindung, dem sich kaum jemand entziehen möchte. Das Ergebnis ist entsprechend vielfältig und der Weg dorthin will ausreichend diskutiert sein.
Das Essen
Die Speisen werden auf der Mitte des Tisches angerichtet. So kann jeder nach Belieben zulangen. Nehmen Sie sich mit dem Löffel jeweils einen Bissen von einem Gericht und mischen Sie diesen mit Reis von ihrem Teller. Nochmals: häufen Sie keine Berge von Essen auf dem Teller, schon gar nicht, wenn zu erwarten steht, dass etwas davon übrig bleibt. Einer ihrer Tischnachbarn hätte vielleicht selbst noch etwas von diesem Gericht haben wollen. Diese Vorgangsweise wäre einer der wenigen Affronts, die man sich in Thailand nicht leisten sollte. Auch, dass lautes Schmatzen oder sogar Rülpsen in Thailand ein Hinweis auf exzellentes Essen wäre, muss ins Reich der Legenden verwiesen werden. Die Tischmanieren entsprechen in dieser Hinsicht durchaus den zentraleuropäischen.
Die Getränke
Wer in Thai Restaurants Bier bestellt, bekommt dies meistens in einem Glas mit Eis. Selbst wenn Singha & Co nicht ausgewiesene Bierspezialitäten sind, ist dies für viele Europäer nicht akzeptabel. Weisen Sie das Personal bei der Bestellung darauf hin (mai sai nam käng ไม่ไส้น้ำแข็ง) oder äußern Sie ihre Bedenken, wenn das Bier auf dem stummen Diener eingeschenkt wird. Dieser Beistelltisch dient in Thailand ausschließlich den Getränken. Wasser, Bier, Whiskey und ein Kübel Eis finden Platz darauf und stören somit nicht das Menü. Das Personal füllt auch halbvolle Gläser unentwegt nach, achten Sie daher genau auf den Konsum, wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind, zumal thailändisches Bier etwas stärker als mitteleuropäisches ist.
Die Rechnung
Sofern man nicht in der glücklichen Lage ist, auf Firmenkosten zu dinieren, muss auch in Thailand die Frage der Bezahlung gelöst werden. Hier gilt es, eine eiserne Regel zu beachten: die Rechnung wird immer gesamt beglichen. Einzelne Rechnungen für einen oder mehrere Gäste eines Tisches sind absolut unüblich und führen oft zu skeptischen Blicken des Personals und anderer Gäste. Unter Kollegen und Freunden ist es üblich, die Rechnung zu etwa gleichen Beträgen aufzuteilen. Das Geld wird dann vor oder nach der Bezahlung eingesammelt. In vielen Fällen ist es üblich, dass die älteste oder sozial am höchsten gestellte Person des Tisches die Rechnung begleicht, ohne anschließend rückvergütet zu werden. Ist Ihnen diese Einladung unangenehm, so sprechen Sie einfach eine weitere Einladung zu einem Essen in naher Zukunft auf ihre Rechnung aus.
Trinkgeld
Wo wie viel Trinkgeld zu geben gehört selbst für gestandene Thailandreisende zu den absoluten Mysterien des Landes – obwohl dies natürlich selten eingestanden wird. Mit der internationalen Faustregel 10% liegt man auch in Thailand richtig. „Getippt“ sollte allerdings nur in Restaurants werden. An kleinen Garküchen und Imbisständen werden keine Trinkgelder erwartet. Die Rechnung wird nicht wie in Mitteleuropa üblich mit dem Trinkgeld aufgerechnet, es sollte einfach auf dem Tisch hinterlassen werden. Banknoten werden mit Münzen beschwert, um nicht Opfer der brausenden Ventilatoren zu werden.
Zusammenfassend sollte auf die Einhaltung der folgenden, einfachen Regeln geachtet werden:
- mit dem Löffel in der rechten Hand wird gegessen. Die Gabel in der linken Hand hilft, den Löffel zu füllen
- das Essen nicht am Teller anhäufen und den Teller möglichst leer hinterlassen
- der Reis bleibt sauber
- die Rechnung wird für alle Gäste immer gesamt beglichen (Ausnahme: ahaan dschan diau)
- ca. 10% Trinkgeld in Restaurants, kein Trinkgeld an Straßenhändler und kleine Garküchen
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